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Modellbauseiten von Harald Ziewe

kleine Hilfen zum Einstieg für den

Selbstbau von Schiffsminiaturen im Massstab 1:250 nach Vorlagen von Papiermodellbaubögen

Das wichtigste Hilfsmittel sind Sheetplatten und -streifen (Strip Styrene) aus Kunststoff von Evergreen. Diese gibt es in den vielfältigsten Ausführungen und Abmessungen, als Platten (Plains), Streifen (Strips), mit rechteckigem oder quadratischem Querschnitt, als Rundmaterial (Rods) und als Röhrchen (Tubes) oder als strukturierte Platten. Sie sind nicht gerade billig, aber wenn man sich zunächst eine Grundausstattung zulegt, diese im Laufe der Zeit ergänzt und mehrere Schiffe baut, fällt der Preis pro Einzelmodell kaum ins Gewicht. Das teuerste an meinen Modellen war die fotogeätzte Reling von Gold Medal Models, wie ich sie bei meinen ersten Modellen genutzt habe, Diese gibt es für verschiede Massstäbe, aber nicht für den Massstab 1:250. Ich verwendete für meine Modelle anfangs die Reling für den Massstab 1:200. Die Anbautechnik die ich im weiteren Verlauf meines Berichtes schildern werde, lässt dies zu. Für verschiedene neuere Papiermodellbaubögen vom HMV und vom Passat-Verlag gibt es inzwischen massgeblich zum jeweiligen Modell passende Ätzteile. Reling als ”Dezimeterware” gibt es bei Saemann Ätztechnik

Der Rumpf:
Für die Herstellung des Rumpfes werden Spanten, der Schiffsboden und die Decks vom Papiermodellbaubogen kopiert und 1:1 auf entsprechende Plastiksheets übertragen. (Aufkleben mit löslichem Papierkleber z.B. Pritt) Für den Boden wähle ich 2mm, für den Längsspant 1,5mm, 1mm für die Spanten und das Deck und 0,5mm für die Aussenhautbeplankung. Da die verwendeten Plastikplatten erheblich dicker sind als das Papier, müssen bei den Abmaßen und Konturen der Spanten die Dicken der Kunststoffplatten berücksichtigt werden. (Sie werden also im Zuschnitt etwas "kleiner" als die entsprechende Papiervorlage). Der Zusammenbau erfolgt nun genauso wie bei einem Papiermodell: Zuschnitt des Schiffsbodens, Setzen des Längsspants, Einsetzen der Spanten und Aufbringung des Decks. Danach wird die Aussenhaut aufgeklebt. Zwischendurch Maßhaltigkeit gegenüber der Papiervorlage immer wieder prüfen und genauestens auf die Symmetrie und den Strak des Rumpfes achten. Haben das Heck oder der Bug eine komplexe Form, werden sie mit Milliput geformt. Zum Befestigen der Reling von Gold Medal Models wurde mittels einer Ziehklinge dicht am Decksrand eine Gravur gezogen und diese bis auf ca. 0,3mm vertieft. In diese tiefe Gravur konnte später die Fussleiste der messinggeätzten Reling eingelassen werden, womit ich nebenher die massstäblich richtige Höhe der Reling erreichte. Die Relings 1:250 können stumpf auf- bzw. angeklebt werden.

Die Aufbauten:
Hierfür kamen verschiedene Verfahrensweisen zur Anwendung. Wichtig ist hier, dass die Aufbauhöhe, die Decksform und eine eventuelle Decksneigung erhalten bleiben! Auf dem Hauptdeck wurden die Aufbautenumrisse ebenso wie die Positionen von Masten, Spills, Pollern usw. durch kleine Einstiche mit einer Nadelspitze markiert, die Maße auf Symmetrie geprüft und mit einem 0,3mm Bohrer durchbohrt. Bewährt hat es sich, von der Aufbaudecksform ausgehend, die Aufbauten nach Kartonvorlage mit 0,25mm Plastiksheet zu ummanteln. Damit der ganze Aufbau stabil wird, kann er von innen mit dickerem Sheet verstärkt, durch Stützen aus Rechteckprofilstreifen abgestützt oder mit einem "Aufbautenboden" versehen werden. Welche Methode zweckmässig ist, richtet sich ganz nach der Größe und Form der Aufbauten bzw. Deckshäuser. Um im weiteren Verlauf der Arbeiten am Modell alle Aufbauten bis zur endgültigen Montage sowie auch und besonders zum Zweck der getrennten Spritzlackierung bzw. Bemalung immer wieder einzeln abnehmen zu können, habe ich verschiedene Fixiermethoden angewandt. z.B.. wird der "Aufbautenboden" an der richtigen Position auf dem Deck zusammen mit diesem durchbohrt, in diese Bohrungen werden Plastikstifte gesteckt und diese zunächst nur mit dem Aufbautenboden verklebt. Bei der späteren endgültigen Montage braucht der Kleber auch nur an diese Plastikstifte gebracht zu werden und quillt nicht, wie bei herkömmlichen Bausätzen an der Deck-Aufbautenverbindung hervor. Eine weitere Möglichkeit ist es, den Aufbautenboden etwas höher einzusetzen und auf das Deck eine entsprechend hohe Sheetplatte zu kleben. Legt man vorher unter diese Sheetplatte ein in den Abmaßen kleineres Stück Plastik und verklebt beides auf dem tragenden Deck an der richtigen Position, kann man die Aufbauten ständig abheben und aufstecken. Erst nach der Einzelbemalung und zur endgültigen Montage trägt man etwas Kleber an der Innenseite der Aufbautenwände auf und vermeidet so ebenfalls das Hervorquellen des Klebstoffes.

Fenster und Bullaugen:
Fenster wurden von mir grundsätzlich ausgeschnitten und nicht gefeilt. Genau vermaßt oder vom Karton übertragen, wurden zunächst alle Ecken mit einem 0,3mm Bohrer durchbohrt, um Bezugspunkte zu haben und um, viel wichtiger, die Spannung beim Herausschneiden aus dem Material abzuführen. Jetzt wurden mit einem Cuttermesser mit spitzer Klinge die Fensterformen herausgeschnitten. Die maximale Stärke des Materials beträgt 0,25mm; bei stärkerem Material tut man sich schwerer. Die Wände mit den ausgeschnittenen Fenstern werden mit stärkerem Sheet hinterlegt, die Fensteröffnungen nach den Bemalen der Wände mit einem wasserfesten blauen Filzstift ausgemalt und zum Schluss bekamen sie einen Tropfen Klarlack aufgetragen. Die Bullaugen sind durchbohrt, ausser am Rumpf mit Sheetstreifen hinterlegt und mit einem Tropfen Weißleim oder blauer Transparentfarbe befüllt. An den Aufbauten kann man sie ebenfalls mit blauer Farbe ausfüllen. Bei meinen neueren Modellen werden die Fenster ausgeschnitten und mit Klarsichtsheet hinterklebt, sodaß die Inneneinrichtung sichtbar ist.

Masten:
Gittermasten kann man nach den Kopien des Kartonmodells aus Sheet herausschneiden. Abbohren der Ecken nicht vergessen. Ich legte aber meist die einzeln zugeschnittene Mastteile, von entsprechend dünnen Sheetstreifen oder Rods genau abgeschnitten, auf die kopierte Vorlage des Kartonmodells und gab ganz wenig flüssigen Plastikkleber (von Kibri) an die Verbindungsstellen. Nach einigen Minuten, wenn das Material nach Verdunstung des Klebstoffes seine ursprüngliche Festigkeit wieder erreicht hatte, konnte das gesamte Gitterwerk vorsichtig mit der Messerklinge vom Papier getrennt werden. Druckerschwärze auf der Rückseite wurde mit einem Glashaarpinsel entfernt. Mit diesem kann man hervorragend kleine Gratbildungen nach dem Schneiden entfernen oder mit übergelaufenem Flüssigkleber benetzte Flächen reinigen, wenn dieser völlig ausgetrocknet ist.

Lüfter:
Ein Problem an sich. Die größeren Lüfter konnte ich dem Zubehörangebot für "richtige" Schiffsmodellbauer entnehmen. Für kleine und sehr kleine Lüfter habe ich die Enden von entsprechend dünnen Gießästen oder Rundstäben von Evergreen erwärmt und gestaucht. Aus diesen vedickten Enden kann man mit sehr sehr viel Geduld die Lüfterköpfe herausarbeiten. Die trichterförmigen Lüfter auf der Elbe 1 entstanden nach der Kartonvorlage aus 0.1mm Plasticsheet. Man kann sie auch aus zwei winklig zueinander angesetzen Plasticrods zusammensetzen und sie anschliessend entsprechend befeilen und anbohren. Zum Aufbohren benutze ich einen kleinen Kugelkopffräser.

Radargeräte:
Die Gitterschirme wurden aus geätzten Metallgittern ausgeschnitten und soweit wie eben möglich zweidimensional geformt. Es gibt auch gewebtes Messingdrahtgitter, welches sich leichter formen lässt. Für Kuppeln benutzte ich alle möglichen Dinge, z.B. Kappen von Stiften. Für die "kugelabschnittförmigen" Radarschirme auf der "Köln" nutzte ich z.B. die Blisterpackungen von Kopfschmerztabletten.

Boote:
Wiederum dienten die Konturen des Kartonmodells als Vorlage. Unter diese Wasserlinienkontur" wurde 1,5 bis 2mm Sheet geklebt und die Bootsform unterhalb der Wasserlinie geschliffen. Oberhalb dieser Linie wurden schmale Sheetstreifen an der Aussenkontur entlang geklebt, evtl. Bänke aufgesetzt und zum Schluss das Deck, ebenfalls wieder nach der Kartonvorlage zurechtgeschnitten, aufgeklebt. Zur Darstellung der Riemen wurden Plastikrods von 0,5mm am Ende plattgedrückt.

Anker und Ankerketten:
Die Anker wurden aus 0.5mm Plastikmaterial herausgeschnitten. Erst ein Loch gebohrt (Durchmesser je nach Ankergrösse in der Mitte) und von dort aus wurde Stück für Stück der Anker, erst die Innenkontur, dann die Außenform herausgeschnitzt. Der Ankersteg mit der Öse wurden separat hergestellt. Die ersten Ankerketten sind aus feinem verdrillten Kupferdraht entstanden. Inzwischen gibt es entsprechend feine Ankerketten aus Metall.

Poller:
Sie entstanden aus entsprechend dicken Plastikrods. Um sie einheitlich lang zu bekommen. wurden Löcher in demselben Durchmesser wie die Rods in ein Stück Aluminiumblech gebohrt, welches die Stärke der Pollerhöhe aufwies. Die Rods wurden durchgesteckt, abgeschnitten, noch in dem Blech befindlich glattgefeilt und besaßen nun alle die gewünschte einheitliche Höhe. Sie wurden auf dünne Sheetstreifen geklebt und als Deckel bekamen sie einen mit der Lochzange ausgestanzten Teller. Ähnlich entstanden, was den Zuschnitt angeht, die vielen Rettungstonnen.

Leitern und Niedergänge:
Niedergänge und Leitern entstammen dem Ätzteilzubehör.

Antennen:
Die Antennen entstanden fast ausschliesslich aus gezogenen Giessästen. Das härteste Material ist gerade gut genug.

Takelage:
Die Takelage ist ebenfalls aus gezogenen Gießästen, dünnem Nylonfäden oder chirurgischer Seide entstanden. Zum Abspannen der Schornsteine und Masten dienten entsprechend abgelängte Pinselhaare. Fixiert wird sie in der Regel mit einem Tropfen Weisleim und erst ganz zum Schluß sorgt für die feste Verbindung ein Tropfen Sekundenkleber.

Bemalung:
Die von mir gewählte Bauweise, alle Baugruppen so herzustellen, daß sie zwischendurch zur Kontrolle (und zur Motivation) an ihren späteren Positionen fixiert werden konnten erlaubte es mir, ständig Kontrollaufbauten vorzunehmen sowie die Baugruppen separat zu bemalen bzw. überwiegend eine Spritzpistole zu benutzen. Das ist bei herkömmlichen Bausätzen nicht möglich. Von kleinen Decks oder Podesten machte ich mir Schablonen aus Papier und übertrug die Form auf einen in der entsprechenden Decksfarbe gespritzen Decalträger. Dieses Abziehbild konnte dann auf dem Deck angebracht werden, nachdem vorher schon die Reling oder die in unmittelbarer Nähe befindlichen Masten gespritzt worden waren. Der Einsatz von matten Farben der Firma Testors oder Acrylfarben hat sich bestens bewährt, da kleine notwendige Korrekturen mit dem Pinsel, ohne Spuren zu hinterlassen, sehr leicht möglich sind

 

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